Handwerk braucht verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie
Der Mönchengladbacher Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings hat den neuen Kreishandwerksmeister Torsten Rose zu einem ersten persönlichen Austausch bei der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach getroffen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Kreishandwerksmeister Thorsten Caspers und Geschäftsführer Stefan Bresser sprach Krings über die aktuelle Lage des Handwerks, die Herausforderungen für Betriebe und die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen.
Torsten Rose, der das Amt des Kreishandwerksmeisters seit Dezember 2025 innehat, stammt aus Odenkirchen und ist selbst seit fast vier Jahrzehnten im Dachdeckerhandwerk tätig. Im Gespräch berichtete er aus der Praxis und schilderte ein differenziertes Bild der aktuellen Situation im Handwerk. Während viele Betriebe weiterhin gut ausgelastet seien, werde es zunehmend schwieriger, langfristig zu planen und Aufträge mit ausreichendem Vorlauf zu kalkulieren.
Die Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach vertritt die Interessen von rund 3.500 Handwerksbetrieben mit etwa 17.000 Beschäftigten. Rund 1.100 junge Menschen werden derzeit in handwerklichen, technischen und kaufmännischen Berufen ausgebildet. Mit ihren 17 Innungen und den modernen Lehrwerkstätten am Platz des Handwerks ist die Kreishandwerkerschaft ein wichtiger Ansprechpartner für das regionale Handwerk.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Bedeutung von Planungssicherheit für Unternehmen. Thorsten Caspers betonte, dass insbesondere im Bau- und Ausbaugewerbe verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend seien. Der Neubau in Mönchengladbach entwickle sich derzeit schwächer als im Umland. Auch kurzfristige politische Entscheidungen, wie beispielsweise der zwischenzeitliche Förderstopp bei Wärmepumpen, hätten Vertrauen bei Unternehmen und Kunden beschädigt. „Das Handwerk braucht stabile Rahmenbedingungen. Unternehmen müssen wissen, woran sie sind, wenn sie investieren, Arbeitsplätze schaffen und junge Menschen ausbilden“, so Caspers.
Auch die Themen Fachkräfte und Ausbildung standen im Mittelpunkt des Austauschs. Stefan Bresser machte deutlich, dass das Handwerk im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen weiterhin attraktive Perspektiven biete. Während in der Industrie derzeit teilweise Arbeitsplätze abgebaut würden, seien handwerkliche Berufe weiterhin zukunftssicher. Besonders im Bereich Sanitär, Heizung und Klima habe sich die Nachwuchssituation in den vergangenen Jahren sogar verbessert – auch weil diese Berufe unmittelbar mit Zukunftsthemen wie Klimaschutz verbunden seien.
Gleichzeitig gebe es weiterhin Herausforderungen: Die Zahl der Auszubildenden könnte noch höher sein, wenn mehr geeignete Bewerber zur Verfügung stünden. Zudem stelle die zunehmende Komplexität der Theorie in den Berufsschulen manche junge Menschen vor größere Herausforderungen. Die Grundlagen aus allgemeinbildenden Schulen seien teilweise schwächer geworden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Entwicklung des Bauens in Deutschland. Torsten Rose kritisierte, dass hohe Standards, zahlreiche Vorgaben und komplexe Regelungen das Bauen zunehmend verteuerten. Nicht jede zusätzliche Anforderung führe dabei zu einem entsprechenden Nutzen. Als Beispiel nannte er Dämmstandards: Ab einer bestimmten Dämmstärke steige der Aufwand erheblich, während der zusätzliche energetische Nutzen nur noch gering sei.
Günter Krings betonte, dass es wichtig sei, Standards und Normen regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen: „Gute Regeln sind wichtig, aber wir müssen jetzt sicherstellen, dass Vorschriften nicht dazu führen, dass Bauen unnötig verteuert und Innovation erschwert wird. Gerade bei DIN-Normen müssen wir immer wieder prüfen, ob Aufwand und Nutzen noch in einem angemessenen Verhältnis stehen. Deshalb setze ich mich auch aktuell in Berlin für eine praxisgerechte Ausgestaltung des neuen preisgünstigeren „Gebäudetyps E“ ein.“ Der Gebäudetyp E (das „E“ steht für einfach oder experimentell) ist ein Planungsansatz im Bauwesen, der darauf abzielt, das Bauen durch den Verzicht auf nicht zwingend notwendige DIN-Normen, Komfort- und Ausstattungsstandards schneller, unbürokratischer und um bis zu 10 Prozent günstiger zu machen.
Auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz wurde diskutiert. Krings machte deutlich, dass KI viele Arbeitsbereiche verändern werde, aber gerade im Handwerk und in Berufen mit viel praktischer Arbeit sowie im persönlichen Umgang mit Menschen nicht einfach ersetzen könne: „Das Handwerk lebt von Erfahrung, Geschick und menschlicher Kompetenz. Diese Stärken werden auch in Zukunft unverzichtbar bleiben.“
Zum Abschluss des Gesprächs wurde auch die Situation am Arbeitsmarkt in Mönchengladbach thematisiert. Stefan Bresser verwies darauf, dass in der Stadt weiterhin viele Menschen arbeitslos seien, gleichzeitig aber zahlreiche Arbeitsplätze nicht besetzt werden könnten. Eine bessere Verbindung zwischen potenziellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie den Betrieben bleibe daher eine wichtige Aufgabe.
Günter Krings bedankte sich für den offenen Austausch und gratulierte Torsten Rose zu seinem neuen Amt: „Das Handwerk ist eine tragende Säule unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Der direkte Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern des Handwerks ist für mich besonders wichtig, um die Herausforderungen vor Ort zu kennen und politische Entscheidungen daran auszurichten.“
Hintergrund zur Sommertour von Günter Krings
Bereits zum 22. Mal nutzt der Mönchengladbacher Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings die sitzungsfreie Sommerzeit, um im Rahmen seiner Sommertour direkt vor Ort in seinem Wahlkreis mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Unter dem Motto #Sommertour2026 – Krings vor Ort besucht er in diesen Wochen zahlreiche Unternehmen, Vereine, soziale Einrichtungen und Projekte in den verschiedenen Stadtteilen von Mönchengladbach. Dabei geht es ihm nicht nur darum, einen Einblick in die aktuelle Situation vor Ort zu gewinnen, sondern vor allem um den persönlichen Austausch: Wo läuft es gut? Wo liegen Herausforderungen? Und an welchen Stellen kann Politik konkret unterstützen?
Die Sommertour ist seit über zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil seiner Arbeit als Bundestagsabgeordneter – mit dem Ziel, die Verbindung zwischen Bundespolitik und den Anliegen der Menschen vor Ort zu stärken und die Erfahrungen aus dem Wahlkreis direkt in seine politische Arbeit in Berlin einfließen zu lassen.
Empfehlen Sie uns!