"Barrierefreiheit beginnt mit Aufmerksamkeit"

09.07.2026
Pressemitteilung

Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Blinden- und Sehbehindertenvereins für Mönchengladbach und Viersen e. V. hat sich der Mönchengladbacher Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings über die Lebensrealität blinder und sehbehinderter Menschen sowie aktuelle bundespolitische Herausforderungen ausgetauscht.

Vereinsvorsitzender Stefan Peters, sein Stellvertreter Christian Olland, die Vorstandsmitglieder Claudia Karten und Stefanie Pfeiffer sowie Blickpunkt-Auge-Beraterin Carmen Hommen schilderten eindrücklich die Hürden, mit denen Betroffene im Alltag konfrontiert sind. Dabei ging es nicht nur um gesetzliche Rahmenbedingungen, sondern auch um scheinbar kleine Situationen, die für blinde und sehbehinderte Menschen große Auswirkungen haben.

„Barrierefreiheit bedeutet weit mehr als Rampen oder Aufzüge. Sie beginnt mit Rücksichtnahme und dem Bewusstsein dafür, dass viele Hindernisse für blinde und sehbehinderte Menschen vermeidbar wären“, betonte Krings.

Ein Thema waren die Herausforderungen im Straßenverkehr. Unübersichtliche Bushaltestellen, an denen Busse ungeordnet oder in zweiter Reihe halten, erschweren die Orientierung erheblich. Krings bot an, von sich aus zu diesem Thema Kontakt zur NEW aufzunehmen, um für eine noch stärkere Sensibilisierung der Fahrer zu werben.

Aus Sicht der Sehbehinderten stelle auch geräuscharme Elektrobusse und andere E-Fahrzeuge eine neue Herausforderung dar, weil sie von ihnen deutlich schwerer wahrgenommen werden können. Auch achtlos abgestellte E-Scooter stellen für blinde und sehbehinderte Menschen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Sie versperren Wege und werden zur gefährlichen Stolperfalle.

„Diese Beispiele zeigen, dass Barrierefreiheit nicht allein eine Frage großer Investitionen ist. Oft geht es um umsichtiges Verhalten und eine Stadtgestaltung, die alle Menschen mitdenkt“, so Krings.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes. Der Verein äußerte die Sorge, dass vorgesehene Ausnahmeregelungen für Unternehmen den Ausbau der Barrierefreiheit ausbremsen könnten. Krings verwies darauf, dass auch das parlamentarische Verfahren genutzt werden müsse, um den Gesetzentwurf so zu fassen, dass er den Belangen der Menschen mit Behinderung gerecht wird.

Auch die Diskussion um die Finanzierung der Eingliederungshilfe wurde angesprochen. Krings machte deutlich, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen dauerhaft gesichert werden müsse. Gleichzeitig gelte es, die Eingliederungshilfe langfristig finanzierbar zu halten. Dabei dürften notwendige Unterstützungsleistungen nicht infrage gestellt werden. „Natürlich müssen wir auch auf die Finanzierbarkeit aller sozialen Leistungen achten. Aber der Staat muss auf allen Ebenen und bei allen politischen Debatten deutlich machen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht,“ betonte Krings.

Besorgt zeigten sich die Vereinsvertreter zudem über die schwieriger gewordene Aufnahme blinder Menschen in Rehabilitationskliniken. Immer häufiger würden Betroffene mit dem Hinweis abgelehnt, der zusätzliche Betreuungsaufwand sei zu hoch.  Auch dieses Thema will Krings in Berlin mit den Gesundheitsexperten im Bundestag besprechen.

Zum Abschluss dankte der Bundestagsabgeordnete den Vertreterinnen und Vertretern des Vereins für ihre engagierte Arbeit. „Der Blinden- und Sehbehindertenverein leistet mit seiner Beratung, seinen Selbsthilfeangeboten und seinem Einsatz für Barrierefreiheit einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Stadt. Solche Gespräche sind wichtig, weil sie den Blick auf Probleme lenken, die vielen Menschen im Alltag gar nicht bewusst sind. Politik muss zuhören, wenn es darum geht, Teilhabe weiter zu verbessern.“

Der Blinden- und Sehbehindertenverein für Mönchengladbach und Viersen e. V. berät kostenlos blinde und sehbehinderte Menschen, von Sehverlust bedrohte Personen sowie deren Angehörige. Neben der „Blickpunkt Auge“-Beratung bietet der Verein Unterstützung bei Fragen zu Hilfsmitteln, Nachteilsausgleichen, Schwerbehindertenrecht sowie vielfältige Selbsthilfe-, Freizeit- und Austauschangebote an. Weitere Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten gibt es unter http://www.bsv-mg.de.