Krings-Kolumne: Widersprüche

05.04.2026

Wir alle wünschen uns ein Leben ohne Widersprüche - im Privaten wie im Politischen. Und doch sind wir gerade in der Politik oft mit Widersprüchen konfrontiert. Das gilt in diesen Tagen ganz besonders, wenn wir auf die Kriegshandlungen am Persischen Golf blicken. Niemand will Krieg, Tod und Zerstörung. Wenn ich mit Exil-Iranern spreche, höre ich zum einen den Wunsch nach Frieden - aber noch stärker ist ihre sehnliche Hoffnung auf ein Ende des mörderischen Mullah-Regimes. Die Angriffe richten sich gegen ein Regime, das Zehntausende seiner Bürger abschlachtet, nur weil die Menschen Freiheit wollen. Es ist ein System, das auf dem Terror der Revolutionsgarden basiert – einer auf den Erhalt ihrer Privilegien fixierten Kaste, die sich im Besitz der „reinen Lehre“ wähnt. Nur durch einen Regimewechsel kann das iranische Volk Freiheit und Selbstbestimmung zurückgewinnen.

Das beschriebene Dilemma ist auch der Grund dafür, dass sich hier weder einfache noch eindeutige Antworten finden lassen. Das Völkerrecht verbietet Gewaltausübung. Aber dieses Völkerrecht darf auch nicht zur Existenzgarantie für eine Regime werden, welches das Völkerrecht selbst mit Füßen tritt und welches in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft seine ständigen Drohungen wahrmachen und den Staat Israel auslöschen kann. 

Es ist kaum möglich, vor dem Hintergrund von Krieg und Tod ein unbeschwertes Osterfest zu feiern. Und doch kommt das Fest vielleicht zur rechten Zeit, denn in der Ostergeschichte hat der Tod eben nicht das letzte Wort. Die Botschaft des Auferstandenen ist eine Botschaft der Hoffnung - und die haben wir gerade in dieser Zeit nötig.

 

Es grüßt Sie herzlich!

Ihr Mann in Berlin

Dr. Günter Krings