Krings-Kolumne: Nicht zaubern, sondern arbeiten

04.01.2026

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, lautet ein oft zitierter Satz von Hermann Hesse. Einen solchen „Zauber“ wünschen wir uns vielleicht auch zum Beginn dieses neuen Jahres. Denn manch unschönes politisches Ereignis aus dem vergangenen Jahr würden wir in 2026 sicher gerne hinter uns lassen.

Wenn in der Politik „Zauberkünste“ versprochen werden, sollte man aber vorsichtig sein. In meinem Arbeitszimmer hängt die Kopie eines Wahlplakats zur allerersten Bundestagswahl. Konrad Adenauer, dessen 150. Geburtstag wir in wenigen Tagen begehen, warb damals mit dem Satz: „Wir können nicht zaubern, aber arbeiten.“ Und genau das muss auch in diesem Jahr für die Bundesregierung der Leitspruch sein.

Es geht um Arbeit für die innere und äußere Sicherheit. Und noch mehr um die Ankurbelung unserer Wirtschaft und um dringende Reformen unserer sozialen Sicherungssysteme. Deswegen wird das Bürgergeld zu einer neuen Grundsicherung umgebaut, die Menschen unterstützt, aber von ihnen auch etwas fordert. In einer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir ferner Veränderungen bei der Rente sowie in der Finanzierung von Gesundheit und Pflege. Von den eingesetzten Expertenkommissionen erwarte ich für all das keine „Zauberformel“. Wir müssen uns vielmehr den Fakten stellen und unsere Entscheidungen danach ausrichten. Natürlich wird das zu harten Diskussionen und manchen Kompromissen führen. Aber nur so kann eine Demokratie funktionieren: mit mühevoller Arbeit.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass es bei dieser Arbeit in Berlin möglichst wenig um persönliche Eitelkeiten und möglichst viel um die Sache geht. Nicht nur Spitzenpolitiker sollten sich daher gelegentlich ein Beispiel an Papst Johannes XXIII. nehmen, der sich selber mit den Worten mahnte: „Giovanni, nimm Dich nicht so wichtig…“

 

Es grüßt Sie herzlich!

Ihr Mann in Berlin

Dr. Günter Krings