Weniger Bürokratie und mehr Zeit für den Patienten
Im Rahmen der laufenden Sommertour zum Thema „Chancen und Herausforderungen des Alters“ machte der Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings bei Pflege Plus in Rheydt Station. Im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern informierte sich Krings über alltägliche Arbeitsabläufe, Erfahrungen und Konzept des Dienstleistungsunternehmens. „Mir war es besonders wichtig, Erfahrungen, aber auch Kritik und Anregungen aus erster Hand zu erhalten“, so Krings.
Mit dem Zusammenschluss von drei Pflegediensten in Mönchengladbach wurde Pflege Plus im Jahre 2003 gegründet und ist heute einer der größten Dienstleister für häusliche Pflege in der Region mit rund 70 Mitarbeitern. „Ziel ist es, mit Pflege Plus nahezu die gesamte Versorgung eines Patienten in seiner häuslichen Umgebung zu sichern, um Heim- oder Krankenhausaufenthalte zu verzögern oder ganz zu vermeiden“, erzählt Geschäftsführer Achim Zweedijk. Dabei geht das Angebot weit über die Grund- und Behandlungspflege hinaus: Hauswirtschaftliche Versorgung, Behördengänge, Fahr- und Einkaufsdienste können genauso in Anspruch genommen werden wie Beratung, Betreuung und Seelsorge.
Kritisch gesehen wird vor allem der enorme Bürokratieaufwand, der mit der Behandlung eines Patienten einhergeht. „Die bürokratischen Vorgehensweisen stehen im Alltag nur allzu oft im Weg und sorgen für unnötigen Ärger. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werden dadurch stark belastet. Wenn 40 Prozent der Arbeitszeit für bürokratische Vorgänge aufgebracht werden muss, dann ist das einfach zu viel“, meint Krings. „Grundsätzlich ist die strenge Dokumentation zur Sicherung des Qualitätsstandards richtig, schließlich dient sie zum Schutz des Patienten. Aber auf das richtige Maß kommt es an.“ Möglicherweise können regelmäßige Kontrollen vor Ort den bürokratischen Aufwand senken.
Neben den Themen Bürokratie und Fachkräftemangel diskutierten die Mitarbeiter von Pflege Plus und Dr. Günter Krings über die Vor- und Nachteile der geplanten Familienpflegezeit. Mehr als 1,5 Millionen pflegebedürftige Menschen werden zu Hause versorgt - durch Angehörige und ambulante Dienste. „Auch Berufstätige möchten ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen, stoßen dabei aber häufig noch auf große Schwierigkeiten. Da soll die Familienpflegezeit Abhilfe schaffen“, so Krings. Das Modell sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 50 Prozent reduzieren können, dabei dann aber 75 Prozent ihres Gehalts beziehen. Zum Ausgleich müssten sie später wieder voll arbeiten, bekämen aber in diesem Fall weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts - so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. „Der Arbeitnehmer muss keine zu hohen Einkommenseinbußen hinnehmen, der Arbeitgeber muss zwar die Teilzeitarbeit organisieren, hat aber insgesamt keine zusätzlichen Lohnkosten und kann die Familienfreundlichkeit eventuell sogar als Vorteil für die Motivation seiner Mitarbeiter verbuchen. Um Beruf und Pflege auch in längeren Pflegephasen zu vereinen, benötigen wir zusätzlich flexible Arbeitszeiten, aber auch gute Rahmenbedingungen für ambulanten Dienstleister“, meint Krings.
