Jeden ersten Sonntag im Monat
erscheint im Extra-Tipp in der
Ausgabe Mönchengladbach die
aktuelle Kolumne von Dr. Günter
Krings "Blick aus Berlin".

 

 

Im Bund mit der Kultur

Gregor Schneiders Installation „END“ ist nicht nur wegen ihrer Ausmaße ein beeindruckendes Kunstwerk. Das Museum Abteiberg, dessen Bedeutung ohnehin weit über die Grenzen unserer Stadt hinausreicht, wird durch ein solch einmaliges Projekt gestärkt. Vor allem lockt die monumentale Skulptur wieder neue Besucher in unser Museum – und mir gab sie Gelegenheit, den Kulturstaatsminister des Bundes nach Mönchengladbach einzuladen.
 
Bernd Neumann, mit dem ich in Berlin seit über sechs Jahren im Kulturausschuss des Bundestages zusammenarbeite, hat bei seinem Besuch erfreulich deutliche Worte zur gesellschaftlichen Relevanz der Kultur gefunden. Das ist auch notwendig angesichts der Tendenz, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das kulturelle Engagement der öffentlichen wie der privaten Hände in Frage zu stellen. Doch die Kultur ist und bleibt geistige Grundlage eines Volkes. Sie sorgt ebenso für Identität wie für notwendige streitige Diskussionen über den Weg eines Landes.
 
In Mönchengladbach ist in den letzten Wochen viel gestritten worden um die Ausgaben für unser Stadttheater. Viele Proteste konnte ich gut nachvollziehen und dennoch sind manche von ihnen der schwierigen Aufgabe der Kommunalpolitiker nicht gerecht geworden. Diese müssen neben der Kultur immerhin hohe, gesetzlich vorgegebene Sozialausgaben, die von den Bürgern zu Recht angemahnte Instandsetzung von Straßen und vieles mehr aus einem begrenzten Einnahmetopf finanzieren. Und das alles möglichst ohne den nachfolgenden Generationen immer höhere Schulden zu hinterlassen.
 
Die Kulturausgaben dürfen bei diesem Balanceakt aber nicht herunterfallen! Wenn wir mit Krefeld zusammen mehr als eine halbe Million Einwohner haben, dann muss auch unser Kultur- und Theaterangebot diese urbane Größe widerspiegeln. Die nötige Akzeptanz für die dazu nötigen Ausgaben bekommen wir aber nur, wenn wir uns in Sachen Kultur nicht länger kleiner machen als wir sind. Und genau dieses Signal wollte ich mit meiner Einladung an Bernd Neumann setzen. Ich wollte ihm zeigen, was Mönchengladbach kulturell zu bieten hat: von den beiden Museen über das Theater und die Musikschule bis hin zu vielen freien und ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen. Der Besuch des Kulturstaatsministers kann so vielleicht einen Beitrag dazu leisten, dass wir allmählich etwas besser auf der kulturpolitischen Landkarte Deutschlands zu finden sind.