Die Finanzmarktkrise
In den vergangenen Wochen erreichten uns fast täglich neue Hiobsbotschaften von den internationalen Finanzmärkten. Eine US-Bank nach der anderen meldet dramatische Einbrüche oder geht sogar in die Pleite. Die sonst so smarte (Schein-)Welt der Wall Street befindet sich in hellem Aufruhr. Auch in Deutschland wächst die Verunsicherung, schließlich macht eine solche Krise in Anbetracht der fortgeschrittenen Vernetzung der Weltwirtschaft nicht mehr vor Ländergrenzen halt.
Die aktuelle Krise an den Finanzmärkten hat ihren Ursprung in einer geradezu atemberaubend leichtfertigen Kreditvergabepraxis und einer unzureichenden Bankenaufsicht in den USA. Selbst die US-Regierung, die den Grundsatz der staatlichen Nichteinmischung in die internationalen Finanzmärkte wie eine Monstranz vor sich hergetragen hat, sah sich nun zur Intervention gezwungen und hat im zweiten Anlauf ein Rettungspaket von 700 Mrd. $ durch den Kongress gebracht. Hätte sie sich eher eingemischt, wäre vielen Anlegern rund um den Erdball einiges erspart geblieben! Eine deutsche Beteiligung an dem Rettungspaket, die in Washington ernsthaft erwogen wurde, kann und darf kein Thema sein. Für amerikanische Fehler müssen auch die amerikanischen Steuerzahler haften.
Wir Deutsche sind bei dieser Krise allerdings keineswegs nur in der Rolle sich gruselnder Zuschauer. Als Exportweltmeister sind wir wie kein anderes Land mit und in der Weltwirtschaft vernetzt. Trotzdem erweist sich die deutsche Volkswirtschaft als bemerkenswert stabil, sie ist in den letzten Jahren – auch durch manche umstrittene Reform - deutlich widerstandsfähiger geworden. Anders als in den USA sind die meisten unserer Kreditinstitute nicht den Verlockungen des schnellen Geldes erlegen. Das gilt insbesondere für die große Mehrheit der Sparkassen, die unkalkulierbaren Risiken aus dem Weg gegangen sind – ein gutes Beispiel ist unsere Mönchengladbacher Stadtsparkasse.
Aber nicht alle waren vernünftig. Institute wie die Düsseldorfer WestLB und die IKB haben sich am US-Immobilienmarkt kräftig verspekuliert. Jüngstes Beispiel ist der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Sie haben Finanzprodukte gekauft, deren Risiken sie offensichtlich nicht überblicken konnten. Dafür habe ich vor dem Hintergrund, welche Sicherheiten mittelständische Unternehmen für einen Kredit aufbieten müssen, kein Verständnis. So mußte für die Rettung der IKB der deutsche Steuerzahler, wenn auch in weit geringerem Umfang, aufkommen. Zudem war die staatliche Bürgschaft für die Hypo Real Estate unvermeidlich, um einen Domino-Effekt zu vermeiden. Dennoch darf es so nicht weitergehen.
Doch wo ist der Hebel anzusetzen? Die Möglichkeiten des deutschen Gesetzgebers, auf die internationalen Finanzmärkte einzuwirken, sind begrenzt. Was wir brauchen, sind globale Spielregeln. Angela Merkel hat bereits während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und beim G8-Gipfel in Heiligendamm entsprechende Initiativen für mehr Transparenz auf den Finanzmärkten und eine bessere Regulierung angeschoben. Bislang haben besonders die Vereinigten Staaten und Großbritannien eine vernünftige Regulierung verhindert. Diese Krise muss nun auch bei ihnen für ein Umdenken sorgen.