Jeden ersten Sonntag im Monat
erscheint im Extra-Tipp in der
Ausgabe Mönchengladbach die
aktuelle Kolumne von Dr. Günter
Krings "Blick aus Berlin".

 

 

G8-Gipfel

Als die Welt im Juni letzten Jahres auf Deutschland blickte war das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Ein Jahr später scheint der Empfang für die Gäste des „G 8 – Gipfels“ in Heiligendamm deutlich frostiger auszufallen. Das globale Fußballereignis war Anlass für ein Fest für Gäste und Gastgeber, die globale Wirtschaft macht vielen Menschen mehr Angst als Freude. Ein riesiges Sicherheitsaufgebot und die Abriegelung des gesamten Ostseebades Heiligendamm sollen die Sicherheit der Konferenzteilnehmer gewährleisten, denn neben Zehntausenden von friedlichen Demonstranten erwartet die Polizei leider auch gewalttätige Chaoten.
 
Dabei müssten es gerade die Globalisierungskritiker begrüßen, dass ein wichtiger Beratungsschwerpunkt der sieben wichtigsten Wirtschaftsnationen und Russlands neue Hilfen für die ärmsten Länder der Welt sein werden. Insbesondere Afrika braucht die Unterstützung der G8-Staaten, zumal der aktuelle, weltweite Wirtschaftsaufschwung an diesem Kontinent (wieder einmal) größtenteils vorbeigeht. Mehr noch als ein Schuldenerlass dient Afrika aber eine Öffnung des Welthandels – und das bedeutet v.a. eine Öffnung in Europa und Amerika für die Waren, die Afrika produzieren kann. Unverantwortlich wäre es ferner über hausgemachte Probleme der afrikanischen Länder hinwegzusehen: Eine Terror-Regime wie z.B. das in Simbabwe, welches das eigene Volk in Hunger und Armut stürzt, hat die afrikanische Solidarität ebenso wenig verdient wie der rumänische Präsident Ceausescu oder Albaniens Staatschef Enver Hodscha seinerzeit auf eine Solidarität der europäischen Staaten setzen konnten.
 
Aber auch für die Probleme der G8-Staaten selbst gilt: Sie sind längst nicht mehr im nationalen Maßstab zu lösen. Hierfür nur zwei Beispiele. In Deutschland wollen wir Patente, Urheberrechte und andere Formen des geistigen Eigentums schützen, weil wir erkannt haben, dass auf diesen kreativen Leistungen unsere Wohlstand basiert. Aber was nützen Gesetze im Inland, wenn etwa in China unsere Erfindungen munter abgekupfert und in alle Welt verkauft werden? Nötig ist also ein globaler Schutz des geistigen Eigentums – im Interesse von Arbeitsplätzen weltweit. Bei der Jahrhundertaufgabe „Klimaschutz“ wird dies vielleicht noch deutlicher: Es ist gut, wenn Deutschland und Europa bei der Verminderung der Treibhausgase eine Vorreiterrolle übernehmen. Zu einer Abschwächung der Erderwärmung kann das aber nur führen, wenn der Tross aus Ländern wie den USA, Kanada, Australien, aber auch Indien und China die Vorreiter nicht ganz aus den Augen verlieren und ihrerseits stärker auf erneuerbare Energien und Energiesparen setzen. Das Klima ist global – allein national oder europäisch können wir es unmöglich retten.
 
Zur Zusammenarbeit zwischen den G8-Staaten dieser Welt gibt es also in Wahrheit keine Alternative. Und als Exportweltmeister profitiert Deutschland unter dem Strich von diesem Prozess wie kaum ein anderes Land auf diesem Globus. Ohne Welthandel hätten wir unser heutiges Wohlstandsniveau nie erreichen können. Für sehr berechtigt halte auch ich allerdings die Frage, ob der Globalisierungsprozess nicht mitunter zu schnell vor sich geht. Wenn Menschen gegen bestimmte Erscheinungsformen der Globalisierung demonstrieren und für mehr Gerechtigkeit auch bei wirtschaftlichen Entscheidungen eintreten, dann ist das gut. Sie sollten die Möglichkeit haben, auch in Heiligendamm Gehör zu finden. Nicht ganz klar scheint mir aber zu sein, wofür sich viele dieser Demonstranten genau einsetzen: Wer nämlich für die Abschottung unserer nationale (Arbeits-)Märkte eintritt, muss wissen, dass er der sogenannten dritten Welt und ihren Chancen auf Wirtschaftswachstum damit eher schadet als nutzt.