Jeden ersten Sonntag im Monat
erscheint im Extra-Tipp in der
Ausgabe Mönchengladbach die
aktuelle Kolumne von Dr. Günter
Krings "Blick aus Berlin".

 

 

Die Vertrauenskrise überwinden

Wir leben in turbulenten Zeiten. Langjährige Gewissheiten werden plötzlich erschüttert. Einst felsenfeste Wahrheiten scheinen nicht mehr zu gelten: Der Volksmund spricht davon, dass etwas so sicher „wie eine Bank“ ist – und dann waren gerade Banken die ersten Opfer, aber oft auch die Täter der Finanzkrise. Unsere Währung, die seit ihrer Einführung mindestens ebenso stark und hart war wie früher die D-Mark, ist unter heftigen Druck geraten. Auf einem ganz anderen Feld muss sich die älteste Institution unserer Gesellschaft, die Kirche, fragen lassen, wie sie mit schlimmen Fehltritten ihrer Vertreter umgeht. Und dann tritt auch noch unser Bundespräsident zurück. Gerade das Amt, das die Stabilität unseres Staates verkörpert, ist nun in wenigen Wochen neu zu besetzen.
 
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber so ganz gelassen stehe ich dem nicht gegenüber. Aber ist das schon ein hinreichender Anlass für Dramatisierungen, oder gar für eine „Endzeit-Stimmung“ in unserem Land? Meine Antwort ist ein klares „Nein“. Wenn die gegenwärtigen Probleme unseres Landes sich im Kern auf eine Vertrauenskrise zurückführen lassen, so muss sich jeder, der Verantwortung trägt – sei es in der Bundespolitik oder sei es hier vor Ort in Mönchengladbach –, die Frage stellen, ob er Teil des Problems oder Teil seiner Lösung sein wird. Wenn der Verlust von Vertrauen das Problem ist, dann müssen wir daran arbeiten, dieses Vertrauen wieder herzustellen. Das setzt Menschen voraus, die bereit sind Vertrauen zu schenken, und solche, die bereit sind vertrauenswürdig zu handeln. Für den Bundestag heißt das aus meiner Sicht: Nicht nur, was wir – etwa zur Rettung des Euros – entscheiden, ist wichtig, sondern auch, wie wir es erklären und ob wir bereit sind, auch diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die auf den Finanzmärkten als Spieler unterwegs waren.
 
Wenn es darum geht, Vertrauen – auch in unseren Staat und seine Institutionen – zurückzugewinnen, gibt es in Berlin (aber nicht nur da!) genug zu tun.
 

Es grüßt Sie herzlich!

Ihr Mann in Berlin

Dr. Günter Krings