Jeden ersten Sonntag im Monat
erscheint im Extra-Tipp in der
Ausgabe Mönchengladbach die
aktuelle Kolumne von Dr. Günter
Krings "Blick aus Berlin".

 

 

Abschied von Robert Enke

Der tragische Tod des deutschen Nationaltorhüters Robert Enke hat unsere Nation bewegt wie kaum ein anderes Ereignis der letzten Jahre. Mit Robert Enke verlieren der deutsche Fußball und unser Land einen tadellosen Sportsmann, der durch soziales Engagement und sein bescheidenes Auftreten große Sympathien erworben hat. Ein junger Mensch, der auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen schien, hat für sich keinen anderen Ausweg gesehen als den Selbstmord.
 
Der Vorsitzende meiner Bundestagsfraktion hatte mich gebeten, für die Union an der Trauerfeier im Hannoveraner Stadion teilzunehmen. Wegen der extremen Berichterstattung in den Medien bin ich mit durchaus gemischten Gefühlen nach Hannover gefahren. Im Stadion habe ich dann aber eine sehr bewegende Trauerfeier erlebt. Als Mönchengladbacher sind mir die großen Emotionen und die enorme Bedeutung des Sports ohnehin bekannt. Im Stadion erlebte ich jedoch eine ganz ungewöhnliche Atmosphäre. Denn in dieser Stunde des Abschieds kam hier die Wertschätzung, welche Freunde, Weggefährten und Fans mit Robert Enke verbindet, in bewegender Weise zum Ausdruck. Im gut gefüllten Stadion war es zu Beginn der Feier absolut still. Die Redner wurden dann immer wieder von langem Beifall unterbrochen – gerade auch bei Sätzen wie, dass „Fußball nicht alles“ sei.
 
Der Tod von Robert Enke hat Bedeutung über den Fußball hinaus; nicht nur hier gibt es Leistungsdruck und Menschen, die sich den Ansprüchen, mit denen sie konfrontiert sind, nicht gewachsen fühlen. Dies führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, wie man im Sport und speziell auch im Fußball mit solchen Situationen umgeht, denn dieser Sport hat einen hohen symbolischen Wert für unsere gesamte Gesellschaft. Gerade aus diesem Grunde finde ich es auch so bedauerlich, wenn die Integrität des Sports durch Einzelne beschädigt wird – wie im aktuellen Wettskandal.
 
Es grüßt Sie herzlich!

Ihr Mann in Berlin

Dr. Günter Krings